GRAF BRÜHL Online-Magazin

Das Brühlsche Schloss Pförten

Eindrucksvoll bestimmt das Brühlsche Schloss, vor dem Krieg Pförten genannt, die Stadt­ku­lisse der polni­schen Ortschaft Brody.

Das Brühlsche Schloss Pförten 

Der ehemalige Stammsitz der Grafen­fa­milie umfasst einen massiven, dreistö­ckiger Flügelbau, versehen mit einem nagel­neuen, dunkelrot glänzenden Dach. Zwei prächtige Atlan­ten­paare stützen rechts und lings den schmalen Balkon, der sich über dem Eingangs­portal erhebt. An der Rückseite des Schlosses führt eine geschwungene Freitreppe mit flügel­gleichen Stufen in den Park. Von hier ist auch der See zu erahnen, roman­tisch verborgen hinter hohem Schilf, der die weitrei­chende Garten­anlage einst prägte.

Erstmals 1389 erwähnt, haben Schloss und die Ortschaft Brody ihre Bedeutung insbe­sondere der Tatsache zu verdanken, dass Heinrich Graf von Brühl, Minister Augusts des Starken und Premier bei August III., Kurfürsten von Sachen und Könige von Polen, im 18. Jahrhundert ein Auge auf das Anwesen geworfen hatte. Er erkannte seine vortreff­liche Lage in der Mitte zwischen Dresden und Warschau und erwarb es. Auf den wiederholt notwen­digen Reisen zwischen den beiden Herrschafts­zentren der sächsi­schen Magnaten konnte in Pförten bequem Station gemacht werden.

Entspre­chend vornehm ließ Brühl das Schloss ausstatten. Nicht er allein residierte hier mit seiner Familie in den nun folgenden Jahren, sondern hin und wieder auch das absolute Macht­ober­haupt des Landes samt seinem Hof, seinen Begleitern und ihrer jewei­ligen Entourage.

Heinrich von Brühl

Heinrich Graf von Brühl (1700−1763) war Minister bei August dem Starken, dann Premier bei dessen Sohn und Nachfolger August III. und bestimmte jahrelang nachhaltig die Geschicke des Landes. Zwischen der heutigen Familie und Heinrich Graf von Brühl liegen sechs Genera­tionen.

Lesen Sie dazu auch auf ZEIT ONLINE „Der Dresden­macher“, Leben und Schicksal des Grafen Brühl – der Mann, der Sachsens Elbme­tropole zur Weltkunst­stadt erhob, von Klaus Günzel.

Sowohl das Haupthaus als auch der weitläufige Garten wurden im Zuge der Umbauten durch zahlreiche Neuheiten erweitert. Das Schloss ließ Brühl durch zwei langge­zogene Flügel­bauten ergänzen, die sogenannten Kavaliers­häuser. Sie grenzen den Vorplatz, über den man das Schloss erreicht, rechts und links harmo­nisch ab, veredeln die Gesamt­anlage durch ihr elegantes Äusseres, sind jedoch nur zwei Stock­werke hoch und ordnen sich entspre­chend archi­tek­to­nisch dem Haupt­ge­bäude unter.

Auch im Park kamen entschei­dende Verän­de­rungen zum Tragen. Die barocke Garten­anlage wurde präzi­siert und erweitert, ferner durch ein Sommer­theater ergänzt, nicht zuletzt durch eine Orangerie, gleich gegenüber, in der, wenn das Wetter es nicht zuließ, im Freien aufzu­treten, ebenfalls Auffüh­rungen und Konzerte statt­fanden.

Zahlreiche Sandstein­skulp­turen wurden eigens in Auftrag gegeben und fanden sorgfältig arran­giert in dem Garten­reich Aufstellung. Ein Sarkophag mit der weihe­vollen Aufschrift „Piis manibus amicorum“ (Durch die treuen Hände der Freunde) steht neu restau­riert heute wieder an altge­wohnter Stelle.

Auch die Ortschaft wurde erheblich verändert. Brühl konzi­pierte mit Pförten ein Gesamt­en­semble, dem sich Häuser­bauten und Wirtschafts­an­lagen harmo­nisch zuord­neten. Das Schloss bildet den Ausgangs­punkt, die Kavaliers­häuser setzen seine Strahl­kraft fort und stellen gleich­zeitig die Verbindung zu den halbkreis­förmig angelegten Wohnbauten her, die direkt jenseits des Vorplatzes gebaut wurden. Über eine lange Gerade, die Landstraße und Schloss­anlage im rechten Winkel zur Zufahrt verbindet, näherte man sich dem Ensemble nur allmählich. Bogen die Wagen schließlich um die Ecke, erhob sich das Schloss plötzlich und in ungewohnter Pracht. Dieser Aha-Effekt war geplant und beabsichtigt. Der Kurfürst sollte nach langer und kraft­zeh­render Reise durch flache und eintönige Lande von der Schloss­anlage regel­recht überwältigt werden. Er sollte das Gefühl haben, hier, in dieser abgele­genen Region, wahrhaft königlich willkommen geheissen und unter­ge­bracht zu sein. Bis heute ist der Eindruck dieser plötz­lichen Erhabenheit erhalten geblieben.

Schloss Pförten

Um dem Ort eine bessere Stellung zu verleihen, ließ Brühl die Garnison seines Regiments nach Pförten verlegen. Er richtete eine Poststation ein und bewirkte so, dass der Brief­verkehr zwischen Dresden und Warschau fortan über das kleine Städtchen verlief. Außerdem entstand zu Brühls Zeiten ein zusätz­licher, neuer Stadtteil. Er wurde nach seiner Ehefrau „Marian­nen­stadt“ benannt und der bestehende Bebauung axial nördlich zum Schloss hinzu­gefügt. Nach Abschluss der Stadt­er­neuerung entstanden zudem 1753 drei schmü­ckende Stadttore, von denen eines bis heute erhalten geblieben ist.

Doch leider sollte dem barocken Schloss- und Garten­en­semble von Pförten nur ein kurzer Höhepunkt beschieden sein. So steil wie Brühl Aufstieg gewesen war, so vehement waren die Ressen­ti­ments, die sein starker Einfluss am sächsi­schen Hof hervor­riefen. Im Sieben­jäh­rigen Krieg ließ Friedrich II. von Preussen Schloss Pförten 1758 kurzerhand brandt­schatzen, eine Vorge­hens­weise, die er seinen Husaren eigens befehlen musste, denn sie war preußi­schen Soldaten gewöhnlich streng untersagt. Auch Brühls Palais in Dresden ließ der Preußen­könig plündern, die Einrichtung zerschlagen, vieles davon rauben und nach Potsdam bringen. Lange Jahre wurde darum gerätselt, warum der Preus­sen­herr­scher einen solchen Hass gegen Sachsens Premier hegte.

Nach Brühls Tod, der zufällig oder nicht in demselben Jahr eintrat, in dem auch sein Kurfürst verstorben war, suchte ihn gar der sächsische Hof zu verklagen. Sein Eigentum wurde beschlag­nahmt und ein Prozess gegen ihn angestrengt. Seine Kinder wussten nicht, wie ihnen geschah.
Doch der Minister konnte keinerlei Straftat überführt werden. Er hatte nie gegen die Befehle seiner Vorge­setzten gehandelt. Brühl wurde rehabi­li­tiert, sein Besitz den Nachkommen übertragen. Ab 1807 machte sich sein ältester Sohn Aloys daran, Schloss und Garten wiederauf- und einrichten. Die Bauten wurden renoviert und die Garten­an­lagen im Stil eines engli­schen Landschafts­parks gestaltet.

Alois Friedrich von Brühl

Alois Friedrich von Brühl (1739−1793) stammte aus dem im 18. Jahrhundert in den Grafen­stand erhobenen sächsisch-thürin­gi­schen Adels­ge­schlecht von Brühl und war der Sohn von Heinrich Graf von Brühl und Maria Anna, geb. Gräfin von Kolowrat-Krakowsky (1717 – 1762). Um die Macht des Vaters in Polen zu sichern, ließ der seinen Sohn als Kind in den polni­schen Adel (Szlachta) aufnehmen. Im Alter von elf Jahren wurde der begabte Alois von Brühl bereits zum Gouverneur (Starost) in Warschau ernannt, später bekleidete er die Position eines könig­lichen Mundschenks (1761 – 1763) und Kronge­ne­ral­feld­zeug­meisters.

In den nun nachfol­genden Jahrzehnten gelang es, Schloss Pförten zu einem Lebens­mit­tel­punkt der Grafen­fa­milie zu machen. Die Verbun­denheit zu Dresden ließ allmählich nach. Die Brühls identi­fi­zierte sich zunehmend mit der Nieder­lausitz. Auch das herrschaft­liche Gebahren, das Macht­denken und strate­gische Vorgehen, das dem Premier­mi­nister nachgesagt worden war, waren hier keineswegs Usus. Die Brühls übernahmen Verant­wortung für ihr Erbe, verwal­teten verbindlich ihren Besitz und sorgten für nachhal­tiges Wirtschaften, doch der sächsische Hof war weit weg. In Pförten machten keine sächsi­schen Macht­haber mehr Station.

Die Kinder und Nachkommen der Familie wuchsen hier unweit der Neisse auf. Sie luden zu Hochzeiten, Taufen, Jagden, runden Geburts­tagen und auch zu Begräb­nissen ein. Freudige Anlässe wurden mit großen Festen gefeiert, trauriger mit innigen Famili­en­zu­sam­men­künften gedacht. Auch die Verwandten, die das Haus mit dem Erwach­sen­werden verlassen hatten, um sich und ihren neuen Familien eine Existenz aufzu­bauen, kehrten zu solchen Anlässen nach Pförten zurück. Zahlreiche Enkel und Enkelinnen, Neffen und Nichten verbrachten hier im Sommer ihre Ferien. Pförten blieb weitere 182 Jahre im Besitz der Familie.

1945 mussten die Brühls fliehen, die Oder-Neisse-Linie wurde errichtet und Pförten befand sich plötzlich in Polen. Eine Rückkehr war ausge­schlossen. 1946 überführte die polnische Regierung das Schloss in Staats­ei­gentum. Ähnlich wie die gesamte Ortschaft erhielt es den Namen Brody.

Bis heute jedoch erhebt sich dort, wenige Kilometer jenseits der deutsch-polni­schen Grenze, flankiert von zwei Kavaliers­häusern, ein mächtiger Bau, Pałac Brody genannt. Die Gemeinde kümmert sich hinge­bungsvoll um seinen Erhalt. Ein Investor wurde gefunden, auch zu vielen Famili­en­mit­gliedern dauerhaft Kontakt geknüpft. Die Brühls haben Spuren hinter­lassen, die aus dieser Region nicht mehr wegzu­denken sind.

Dieser Artikel ist der Auftakt zu einer Reihe Beiträgen zur Famili­en­ge­schichte. Mehr demnächst hier im Online­ma­gazin von GRAF BRÜHL Versicherungs­makler Frankfurt.

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