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GRAF BRÜHL Online-Magazin

Betriebsschließung in der D&O-Versicherung?

Die Corona-Krise verstärkt den Druck auf die D&O-Versicherung. Manche Versicherer schließen gerade das Neugeschäft in der Sparte. 

Die Corona-Krise verstärkt den Druck auf die D&O‑Versicherung. Zuvor haben die Versi­cherer aber selbst kräftig die Basis für die Probleme gelegt. Manche Versi­cherer schließen gerade das Neuge­schäft in der Sparte. Dabei hätten Kunden viel mehr Verständnis für höhere Prämien als die Branche denkt, erklärt D&O‑Pionier Michael Hend­ricks. Ein Kommentar.

Eine Flut von Manager-Haftungs­ver­fahren im Zusam­men­hang mit der Dotcom-Pandemie (neuer Markt) hat vor vielen Jahren zu einer exis­ten­zi­ellen Bedro­hung des D&O‑Versicherungsmarktes geführt. Die Markt­ver­här­tung war im Jahre 2003 auf der Kunden­seite ange­langt mit der Folge von Prämi­en­an­he­bungen und zahl­rei­chen Versi­che­rungs­aus­schlüssen, die insbe­son­dere auf die soge­nannte Innen­ver­hält­nis­de­ckung zielten, also Inan­spruch­nahmen von Geschäfts­lei­tern durch Aufsichts­gre­mien oder Gesell­schafter. Betriebs­schlie­ßungen hat es in der D&O‑Sparte seiner­zeit nicht gegeben. Die Versi­cherer haben den Geschäfts­be­trieb aufrecht­erhalten und sich flugs schon im Jahre 2004, also ein Jahr später, in einen weichen Markt begeben, der immerhin für einen Zeit­raum von 17 Jahren bis zum jüngsten Renewal der Versi­che­rungs­ver­träge die D&O‑Produktentwicklung zu Schleu­der­preisen beflü­gelt hat.

Corona folgt eine D&O‑Schadenpandemie

Damit ist es jetzt vorbei. Der Versi­cherer Star­Stone hat den Betrieb geschlossen aufgrund einer D&O‑Schaden-Pandemie, die für den Versi­cherer Star­Stone noch nicht einmal den deut­schen Markt erreicht hat. Das Scha­den­in­fek­ti­ons­ge­schehen hier­zu­lande ist für Star­Stone harmlos, der Ausblick jedoch ist für die kommenden Jahre düster.

AXA XL hat den D&O‑Betrieb (noch) nicht geschlossen. Under­writer und Scha­den­mit­ar­beiter sind weiter fleißig aktiv. Dies aller­dings mit einer Einschrän­kung: D&O‑Neugeschäftsabschlüsse kommen bis auf Weiteres nicht mehr in Betracht. Der Bestand wird gepflegt, gehegt und saniert und es soll abge­wartet werden, wie sich die D&O‑Schadeninfektionsraten weiterhin entwi­ckeln. So sieht es jetzt aus im deut­schen Markt. Kunden und Makler warten gespannt auf die Verhand­lungen zu den Vertrags­ver­län­ge­rungen in das Jahr 2021.

Was jetzt schon fest­steht

Die Versi­che­rungs­prä­mien werden bis auf wenige Ausnahmen bestands­über­grei­fend um mindes­tens 15% steigen, was über­wie­gend kleine und mittel­stän­di­sche Unter­nehmen betrifft. Größere Unter­nehmen müssen gar mit einem noch höheren Anstieg rechnen. Unter­jäh­rige Vertrags­ver­län­ge­rungen im Jahr 2020 haben gezeigt, dass sich die Versi­che­rungs­prä­mien auch verdop­peln oder gar verdrei­fa­chen können. Stark betroffen sind börsen­no­tierte Unter­nehmen und auch solche, deren Umsätze coro­nabe­dingt geschrumpft sind. Hier gibt es Einzel­un­ter­su­chungen im Under­wri­ting, Progno­se­be­richte der Unter­nehmen in Sachen Zukunft, den Nach­weis von Staats­hilfen und so weiter und so weiter. Bei großen DAX-Unter­nehmen schrumpfen die Kapa­zi­täten auf teil­weise weniger als 50% der Deckungs­summen, mit denen sich Vorstände und Aufsichts­räte in vergan­genen Jahren wohl­ge­fühlt hatten. Ein Drama für die Betrof­fenen, da die tiefen Einschnitte in den Versi­che­rungs­schutz nahezu durchweg mit Rück­wir­kung gelten.

Hatten sich Unter­neh­mens­leiter bei waghal­sigen Entschei­dungen in der Vergan­gen­heit auf den D&O‑Versicherungsschutz verlassen, so war dies ein Trug­schluss. Es gilt ja schließ­lich das Claims-made-Prinzip und damit derje­nige Deckungs­schutz, der zum Zeit­punkt des Claims, also der Geltend­ma­chung von Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen verein­bart ist. Dieser Schutz ist nun einge­schränkt, mit weniger Deckungs­summe und viel­leicht auch noch zahl­rei­chen Deckungs­aus­schlüssen bis hin zu mangelndem Versi­che­rungs­schutz in denk­baren Fällen von Insol­venz.

Mehr­jah­res­ver­träge gibt es über­haupt nicht mehr. Vorzei­tige Vertrags­ver­län­ge­rungen vor Ablauf von Kündi­gungs­fristen sind eine Selten­heit im Segment der großen Unter­nehmen. Hier wird abge­wartet bis zum Datum der Vertrags­ver­län­ge­rung, damit auch der Gesund­heits­zu­stand der Unter­nehmen bis zum letzten Tage vor Vertrags­ab­lauf noch einmal durch­leuchtet werden kann.

Dagegen geht es im Mittel­stand gera­dezu gemüt­lich zu. Jetzt schon erklären viele Versi­cherer die Bereit­schaft zum Renewal in das nächste Jahr und da sind die mitt­ler­weile übli­chen 15% zum Prämi­en­an­stieg eine Klei­nig­keit.

Tragödie des D&O‑Versicherungsmarktes

Was sagen denn die Kunden zu alledem? Sie haben Verständnis für die Tragödie des D&O‑Versicherungsmarktes. Ein bein­harter Wett­be­werb, gezeichnet durch gera­dezu verrückte Versi­che­rungs­klau­seln zu Lasten der Risi­ko­träger, Prämien-Dumping bis hin zum Unzu­mut­baren sind schuld an der aktu­ellen Lage.
Dann noch die vielen frischen Schlag­zeilen um Wire­card. Wiedermal die Deckungs­summe eines großen Versi­che­rungs­pro­grammes futsch. Diesmal 125 Mio. Euro, schon gebucht als Total­ver­lust, wie Insider beschämt berichten. Und was wird Covid-19 noch alles bringen? Garan­tiert ganz viele Insol­venzen. Und da mag den D&O‑Versicherern auch das neue Gesetz nicht helfen, das Insol­venz­an­trags­aus­set­zungs­ge­setz. Ein fürch­ter­li­ches Wort in fürch­ter­li­chen Zeiten. Die Haftung jeden­falls wird durch das Gesetz nicht ausge­schlossen, wie so mancher Manager das vermuten mag.

Makler sind jetzt in der Pflicht und Preis­an­pas­sungen derzeit unum­gäng­lich

So ist es doch für jeden nach­voll­ziehbar, dass sich etwas ändern muss. Gleich­wohl sind viele Versicherungs­makler ängst­lich, ihren Kunden mit neuen Prämi­en­for­de­rungen zu begegnen. Diese Ängst­lich­keit sollte unbe­dingt der Über­zeu­gung weichen, dass eine Anpas­sung der Markt­ver­hält­nisse und damit vor allem der Preise unum­gäng­lich ist. Ein Zitat eines CEO der Pharma-Branche, konfron­tiert mit einer Verdopp­lung der D&O‑Versicherungsprämie: „Ich habe mich schon immer gewun­dert, dass die D&O‑Versicherung so preis­wert ist. Da konnte ja tatsäch­lich irgend­etwas nicht stimmen!“

Also wird das alles nicht so schlimm wie befürchtet und es bleibt noch die Hoff­nung, dass die Infek­ti­ons­raten im Bereich der Mang­erhaf­tung irgend­wann im Gleich­schritt mit Covid-19 gegen null tendieren werden.

Quelle: „Betriebs­schlie­ßung in der D&O‑Versicherung?“, AssCom­pact, 08/2020
Veröf­fent­licht: 05. August 2020
Autor: Michael Hend­ricks

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