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Müssen Eltern ihre minder­jäh­rigen Kinder ständig beauf­sich­tigen?

Dreijäh­riger verur­sacht Wasser­schaden

Nachdem die Eltern ihren dreijäh­rigen Sohn ins Bett gelegt hatten, stand das Kind zwischen 19 und 20 Uhr unbemerkt wieder auf und ging ins Badezimmer. Dort benutzte der Kleine die Toilette. Dabei benutzte er so viel Papier, dass der Abfluss verstopft wurde. Das wäre noch keine Katastrophe gewesen, aber als der Junge spülen wollte, verhakte sich der Spülknopf. Das Kind ging zurück ins Bett, schlief ein und niemand hätte etwas von seinem Missge­schick bemerkt. Da die Spülung jedoch blockierte, floss ungehindert Wasser nach, trat aus der verstopften Toilette aus und verteilte sich über den ganzen Fußboden. Schließlich tropfte es durch die Decke und floss in die darun­ter­lie­gende Wohnung. Der Schaden belief sich auf 15 000 €uro.

Versi­cherer des Hausbe­sitzers klagt gegen Privat­haft­pflicht-Versi­cherer der Eltern

Da es sich bei dem Kind um einen Minder­jäh­rigen handelte, wäre jeder Mensch davon ausge­gangen, dass seine Eltern für den Schaden zur Verant­wortung gezogen werden. Das dachte sich wohl auch der Versi­cherer des Hausbe­sitzers. Er egulierte zwar den Schaden, zog jedoch dann mit einer Anklage gegen den Privat­haft­pflicht-Versi­cherer der Eltern vor das Düssel­dorfer Oberlan­des­ge­richts. Er verlangte, dass ihm seine Schaden­auf­wen­dungen erstattet würden.

Richter lehnten die Klage ab

Doch die Richter lehnten die Klage ab. Wie Wolfgang Leidigkeit am 25. Juli 2018 auf www​.Versi​che​rungs​journal​.de schrieb, sei den Eltern des Jungen keinerlei Verletzung der Aufsichts­pflicht vorzu­werfen. Der Junge sei drei Jahre alt, habe sich an sicherem Ort in einer geschlos­senen Wohnung aufge­halten und daher nicht unter ständiger Beobachtung stehen müssen. Auch der Gang zur Toilette habe nicht von den Eltern kontrol­liert werden müssen. Es sei in solch einem Fall prinzi­piell ausrei­chend, wenn sich einer der Aufsichts­pflich­tigen in Hörweite befände.

Sohn beim Toilet­tengang zwingend zu beauf­sich­tigen

Bemer­kens­wer­ter­weise berück­sich­tigte das Gericht den aktuellen Entwick­lungs­zu­stand des Kindes: „Eine lückenlose Überwa­chung ist insbe­sondere dann nicht erfor­derlich, wenn dadurch eine vernünftige Entwicklung des Kindes, insbe­sondere der Lernprozess im Umgang mit Gefahren, gehemmt werden würde“, so die Richter. Den Eltern sei zwar bekannt gewesen, dass sich der Spülknopf der Toilette aufgrund seiner Beschaf­fenheit gelegentlich verhakte. Das führe aber eigentlich nur zu einem erhöhten Wasser­ver­brauch. Die Situation in dem Badezimmer sei nicht so gefährlich gewesen, dass sie dazu verpflichtet gewesen wären, ihren Sohn beim Toilet­tengang zwingend zu beauf­sich­tigen.
Auf das Urteil des Landge­richt hin, verzichtete der Gebäu­de­ver­si­cherer, in Berufung zu gehen. Damit sei das Urteil, schreibt Leidigkeit, rechts­kräftig.

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